16. April 2010
Projektbesuch Gilgal
Um 7.15 Uhr herrscht in der Hotelhalle schon spürbare Aufregung unserer Gruppe vor dem 1. Patentreffen in Gilgal. Einige Männer sind schon eifrig am Aufblasen der Fußbälle für unsere Patenkinder. Die (anderen) mitgebrachten Geschenke wurden frühmorgens im Bus verstaut.


Mit dem Bus fuhren wir um 7.30 Uhr los. Von der gepflegten, noblen Hotelanlage sind es nur wenige Kilometer bis in die echt armselige Wirklichkeit von Swasiland.
Die Fahrt über befestigte Strassen führt durch eine liebliche Landschaft mit grünen Hügeln und Bergen. Nach ca. 1. Stunde erreichen wir das Gebiet von Gilgal.
Erster Eindrücke waren:
Weniger Autos, mehr Fußgänger, viel Schmutz. Holprige Strassen, Ziegen, Kühe, Hühner, Sand- und Schotterwege. Kleine Siedlungen, weit verstreute Häuser, typisch vereinzelte runde Lehmhütten mit Strohdächern. Kleine Obst und Gemüsestände neben den Straßen, sow die verarmten Menschen Geld verdienen (können?)
Der Projektleiter von Gilgal, Wonderboy Khumalo, begleitete uns durch den heutigen Tag.
(Bedeutung Wonderboy: erfolgreich und populär, bei der Geburt hellhäutig).
Gilgal wurde 1999 gestartet, das voraussichtliche Projektende ist 2014.
In den 5 Gemeinden von Gilgal leben ca. 18.600 Menschen, davon sind ca. 12.000 Kinder.
Die 3 Schwerpunkte der Arbeit hier sind:
Nahrungsmittelsicherung, Einkommenserwirtschaftung, HIV-Aids (über 40% in Swasiland).
Um die Lebensumstände der Familien zu verbessern unterstützt World Vision viele kleine Projekte in dieser Region. Einen Teil davon konnten wir heute besichtigen.Die 1. Station war die Besichtigung der Gärten, die der Nahrungsmittelsicherung dient. Sie werden von 17 Frauen und 2 Männern bewirtschaftet. Durch den schwer erwirtschafteten Ertrag werden ca. 100 Familien versorgt, der Rest wird am Markt verkauft. Für die Bewässerung wurde mit Hilfe von World Vision ein Wasserdamm errichtet.
Mit großer Spannung und Herzklopfen treffen wir um ca. 10.00 Uhr beim Feldbüro von World Vision ein.
In einem eigens aufgestellten Zelt warteten schon die Angehörigen der Kinder auf uns. Während der ausführlichen Begrüßungsrede durch Wonderboy wurde es im geschlossenen Zelt immer heißer und heißer. Unsere Elfi (Patenschaftsbetreuerin) drohte beim Dolmetschen langsam auszurinnen.
Endlich wurden die Seiten des Zeltes geöffnet und das lande Warten auf die Kinder hatte ein Ende.
Aus dem gegenüber liegenden Haus kamen unsere „Kinder“ in ihren schönsten Kleidern, um uns mit einem Kinderlied zu begrüßen. Zum Schluss hielt jedes Patenkind ein Blatt mit dem Namen der PatInnen in die Höhe.Ein bewegender Moment für alle Beteiligten.
Die ersten Minuten der Begegnung waren noch etwas verhalten. Die Dolmetscherin stellte uns die Mutter von Thabia vor. Wir setzen uns gemeinsam an einen Platz um uns besser kennen zu lernen. Bei der Frage, ob er gerne Fußball spielt, kam sein erstes Lächeln über die Lippen. Über den mitgebrachten Fußball, sowie weitere Geschenke freuten sich Thabio und seine Mutter.
Unser Wunsch, das Patenkind persönlich kennen zu lernen ist in Erfüllung gegangen. Mit einem schönen Gefühl und den besten Wünschen für die Zukunft nahmen wir Abschied von Thabio und seiner Mutter.
Am Nachmittag standen zwei weitere Projekte zur Einkommens-erwirtschaftung auf dem Programm, 2 Frauenprojekte:Näherei: 10 Frauen schneidern hier Schuluniformen für Kinder, Kleider, Babytragtaschen....
Mühle: Hier wird der selbst geerntete Mais aus der Region von 15 Frauen gemahlen.
Weiters stand noch ein Wasser- und Hygieneprojekt am Programm. Wir besichtigten das Pumphaus mit Brunnenanlage, womit ca. 187 Haushalte versorgt werden.
Als weiterer Schwerpunkt von World Vision haben wir in Gilgal eine Kindertagesstätte besucht. Her werden Waisenkinder von geschultem Personal betreut. Sie lernen zeichnen und zählen und werden so auf die Grundschule vorbereitet.Am Nachmittag können Erwachsenen in dieser Tagesstätte Lesen und Schreiben erlernen.
HIV-Aids ist ein großes gesundheitliches Problem in Swasiland.
Daher hat im Projekt Gilgal eine Großmutter, deren Tochter an HIV-Aids verstorben ist, eine Selbsthilfegruppe gegründet.
Als freudiges Erlebnis des Besuches in der Kindertagesstätte wurden von unserer Gruppe die 5 vollbeladenen Einkaufswägen voller Nahrungsmittel übergeben.
Ein langer und erfüllter Tag, mit vielen besonderen Eindrücken geht zu Ende.
Wir sind in voller Erwartung auf den morgigen Tag in Lubulini und wünschen unsern restlichen PatInnen einen ebenso unvergessenen Tag.
Sigrid und Klaus Mlekusch
Franz Obererlacher
Der Satte tritt Honig mit Füßen, aber dem Hungrigen ist alles Bittere süß.
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